KEIN MENSCH PASST IN EIN SCHEMA. ABER DU ZU UNS


 

 

 

Nachruf Gerhard Köster Franke

 

 

Nach langer, schwerer Krankheit verstarb am 20. August 2020 unser Ehren-Gilde-meister Gerhard Köster-Franke, Bochum. Er wurde am 02. Juni 1937 geboren und erlebte als Kind und Heranwachsender die Kriegs- und Nachkriegszeit. Gerhard wendete sich dem Radrennsport zu und war in den 50er und 60er Jahren im RV Sturmvogel Bochum ein erfolgreicher Radrennfahrer. Nach der aktiven Zeit 1963 übernahm er in seinem Verein und dem Stadtsportbund als Trainer und Funktionär die Nachwuchsförderung. Ab 1970 übernahm er den Vorsitz im Sturmvogel Bochum und wurde als Macher auch über die Grenzen hinweg bekannt. Er organisierte über 25 Jahre hochkarätige, internationale Radrennen in Bochum. Der damalige Gilderat der Bundes-Ehren-Gilde wurde auf diesen hervorragenden Organisator im Radsport aufmerksam und Gerhard wurde 1994 Mitglied der Bundes-Ehren-Gilde.

 

 

Auch hier engagierte er sich und wurde beim Bundestreffen der Radwanderer und Kongress der Bundes-Ehren-Gilde am 31.07.1999 in Darmstadt, unter Gildemeister Wilhelm Wegener, als Vize-Gildemeister in den Gilderat berufen. Im Folgejahr 2000 wurde dieses Festival in Herrenberg vom RV Oberjesingen ausgerichtet. Beim Kongress stellte sich Wilhelm Wegener nicht mehr zur Wahl und Gerhard Köster-Franke wurde als Gildemeister gewählt und Wilhelm Wegener wurde zum Ehren-Gildemeister ernannt. Gerhard bekleidete dieses Amt in seiner bekannten Art als verbindlicher aber zäher Verhandlungspartner bis 2006.

 

 

In seine Amtszeit fiel das 100-jährige Jubiläum seines Vereins, dem RV Sturmvogel Bochum. Das veranlasste die Gremien des Bund Deutscher Radfahrer das Bundestreffen der Radwanderer mit Kongress der BEG 2005 nach Bochum zu vergeben. Viele Radfahrer sind in Sternform zu diesem Fest nach Bochum gefahren. Einige werden sich noch an dieses Fest erinnern, es war das letzte Bundestreffen der Radwanderer. Im Jahr 2006 wurde dieses in Kiel vom ausrichtenden Verein in ein Bundestreffen für Wanderfahrer und Rad-Tourenfahrer durchgeführt. Das war die Vorstufe zum jetzigen Bundes-Radsport-Treffen. Für Gerhard Köster-Franke war der anstehende Kongress durch gesundheitliche Probleme, das Ende seiner Amtszeit. Er übergab den Staffelstab an den Vize-Gildemeister Volker Lenz und die Position blieb Vakant.

 

 

Damit war aber seine Tätigkeit für den Radsport nicht zu Ende. Sie verlegte sich auf den Stadtsportbund Bochum. Hier hatte er mit Mitstreiter nach vielen Verhandlungen im

 

 

Jahr 2007 erreicht, dass auf einem städtischen Gelände ein Rundparcours für den Bochumer Radsportnachwuchs entstand. Diese Strecke wurde nach der ehemaligen Bochumer Radsportlegende in „Walter-Lohmann-Ring“ benannt. Für diese außer-gewöhnliche ehrenamtliche Tätigkeit erhielt er auf Vorschlag des Stadtsportbundes von Oberbürgermeister Thomas Eiskirch die Auszeichnung „Sportbürger des Jahres 2016“

 

 

Er war eine große und vom Radsport geprägte Persönlichkeit. Wir hatten eine Gute und ergiebige Zeit gemeinsam verbracht. Er wird uns immer in Erinnerung bleiben.

 

 

Horst Köhler

 

 

Erinnerungen bleiben! Gerhard Köster-Franke

 

 

Nach schwerer Krankheit verstarb der Ehren-Gilde-Meister der Bundes-Ehren-Gilde e.V. am 20. August 2020.

 

 

Vielen Dank an Gerhard für seine Verdienste um den Radsport.
Gildemeister von 31.07.1999 – 22.07.2006
Vize-Gildemeister (komm.) Oktober 1998- 31.07.1999
Ehren-Gildemeister 21.07.2007 – 2020 († 20.08.2020)

 

 

Stadtsportbund Bochum trauert um Gerd Köster-Franke (Presseartikel aus dem Internet)

 

 

50 Jahre Fachschaftsleiter Radsport: Nachruf auf einen großen Radsportler und prägenden Radsport­funktionär. Noch im hohen Alter besuchte er regelmäßig die Geschäftsstelle des Stadtsportbundes Bochum, um sich über aktuelle Entwicklungen allgemein im Sport, gern im Bochumer Sport und besonders gern im Radsport auszutauschen. Ein stets freundlicher, sehr interessierter und in Fachfra­gen äußerst kompetenter Gesprächspartner: So erlebten die jüngeren Stadtsportbund-Mitarbeiter Gerd Köster-Franke in den letzten Jahren. Sie hätten ihn auch früher als angenehmen Menschen erlebt – aber darüber hinaus als Radsportler der deutschen Spitzenklasse sowie als engagierten Trainer und „Macher“ im und für den Radsport.

 

 

Gerd Köster-Franke, am 02.06.1937 geboren, war mit „seinem“ RV Sturmvogel 1904 Bochum e.V., dessen Vorsitz er erstmals 1970 übernahm, in den 1950er- und 1960er-Jahren ein äußerst erfolgrei­cher Radrennfahrer. Sein größter Erfolg war der zweite Rang bei den Deutschen Meisterschaften 1958 im Vereins-Mannschaftsfahren über 100 Kilometer. Dies gelang ihm – trotz eines den Sieg kostenden Sturzes kurz vor dem Ziel – in neuer deutscher Rekordzeit von 2:11 Stunden. Das ent­spricht einem Schnitt von ca. 46 km/h, selbst nach heutigen Begriffen eine hervorragende Zeit. 1963 beendete er seine aktive Karriere und widmete sich fortan als Trainer und Funktionär der Jugendför­derung im Bochumer Radrennsport. Er war unter anderem rund 50 Jahre Fachschaftsleiter „Radsport“ im Stadtsportbund Bochum e.V. und organisierte über 25 Jahre lang, noch lange vor dem allseits bekannten Sparkassen-Giro, hochkarätige internationale Radrennen in Bochum. Nicht zuletzt dank seines hartnäckigen Engagements entstand nach dem Abriss der alten Radrennbahn im Jahr 1977 dreißig Jahre später eine neue: Im Jahre 2007 wurde auf einem städtischen Gelände in Bochum-Feld­mark ein Rundparcours für den Bochumer Radsportnachwuchs errichtet. In Erinnerung an Bochums Radsportlegende heißt die Strecke „Walter-Lohmann-Ring“. Die Strecke ist mit einer weiteren in Dortmund die einzige ihrer Art in NRW. Seine hohen Verdienste um den Radsport brachten ihm große Ehren. Gerhard Köster-Franke war Ehren-Gildemeister der „Bundes-Ehren-Gilde“ – ein Zu­sammenschluss der ehemaligen erfolgreichen Deutschen Radrennfahrer – im Bund Deutscher Rad­fahrer. Außerdem wurde Gerd Köster-Franke auf Vorschlag des Stadtsportbundes von Oberbürger­meister Thomas Eiskirch als „Sportbürger des Jahres 2016“ ausgezeichnet. Gerhard Köster-Franke verstarb am 20.08.2020 nach schwerer Krankheit. Der Stadtsportbund trauert mit der Familie, mit all seinen Freunden und Weggefährten. Mit Gerd Köster-Franke verliert der Bochumer Radsport eine prägende Gestalt. Wir verlieren einen guten Freund.

 

 

 Auszug aus der Presse 2012

 

 

Bochum. Der kleine Gerhard war elf Jahre alt – und schon Zeitungsbote. Das sind Erinnerungen, die Gerhard Köster-Franke, heute 75-jährig, gerne erzählt. Damals wuchs er mit seinen zwei jüngeren Brüdern bei der Mutter auf. Der Vater war in russischer Kriegsgefangenschaft, in Sibirien. Er sollte erst 1955 nach Bochum kommen. So musste Mutter Köster, wie Tausende anderer Frauen, ihre drei Söhne allein versorgen. „Direkt nach der Gründung im April 1948 fand meine Mutter Arbeit als Botin bei der WAZ“, erzählt Gerhard Köster-Franke. Doch schon bald erkrankte die Mutter schwer. „Ich bekam eine Sondererlaubnis, denn eigentlich durfte ich ja in meinem Alter noch gar nicht arbeiten“, erinnert sich Gerhard Köster-Franke heute. Als gerade Elfjähriger wurde er zum Ernährer, die Mutter im Krankenhaus und die beiden jüngeren Brüder, damals sieben und acht Jahre alt, galt es durchzu­bringen. dann zog er los – um Punkt 3.30 Uhr stand Gerhard auf. Sein Bezirk lag in Bochum-Wiemelhausen. Einst stolze Bergdirektorenhäuser lagen hier in Schutt und Asche. „Genau 700 Zeitungen hatte ich zu verteilen. Da der ganze Packen zu schwer war, wurden die Pakete an drei Stellen abgelegt, mitten in der Nacht.“ Botenkarren gab es natürlich damals noch nicht. Er packte die druckfrischen Ausgaben in einen abgetakelten Kinderwagen. „Das war mein DKW“, sagt er heute in Anspielung auf eine Automarke, die es lange nicht mehr gibt. Die Gaststätten Knepper und Haus Vocke galt es anzusteuern – als die beiden ersten Ablagestellen am Weg des wohl jüngsten Botenjungen der West­deutschen Allgemeinen Zeitung. Der letzte Punkt war ein Kiosk: „Klümpken Wienkotte“ – so nann­ten ihn die Kinder des Viertels. Doch für Klümpken hatte der kleine Gerhard kein Geld.Vor den Häusern gab es provisorische Briefkästen mit handgeschriebenen Namen, es gab Untermieter und Notunterkünfte, in der Kleingartenanlage wurden ausgebombte Familien einquartiert in manchmal ziegenstallgroßen Kaschemmen.Wie hoch der Botenlohn war? Er wurde direkt an den Jungen ausge­zahlt. Doch Gerhard Köster-Franke erinnert sich nicht: „Vielleicht, weil ich natürlich mein Geld der Mutter im Krankenhaus gegeben habe.“Konnte der Lieferwagen die Zeitungen einmal nicht rechtzei­tig zu den vereinbarten Punkten bringen, zuckelte die Westdeutsche Allgemeine eben mit der Elektri­schen daher. „Es kam vor, dass die Fahrer in ihrer Not die Pakete einfach in die Straßenbahnlinie 5/15 geworfen haben“, weiß der ehemalige Botenjunge noch ganz genau. Den Service des Nachlieferns, bei fehlenden Zeitungen, wenn sich also Nachtschwärmer an den Zeitungspaketen bedienten, gab es damals noch nicht. Was oft wehtat, denn der Bote freute sich über sein Freiexemplar.

 

 

Für die Brüder holte Gerhard im Krankenhaus die Brote

 

 

Für Gerhard Köster-Franke begann der Arbeitstag nach dem Botengang erst richtig. In der Schule schlief der Junge regelmäßig ein. „Ja, so zwischen 11 und 12 Uhr, das war dann der Tiefpunkt, da ging der Kopf auf den Tisch. Dann bekam ich Schläge mit dem Stock.“ Damit nicht genug: Nach der Schule ging es ans „Steine-kloppen, für jeden Stein bekamen wir 5 Pfennige“. Für die beiden Brüder holte er dann noch aus dem Krankenhaus, wo sich die Mutter erst langsam von ihrer Krank­heit erholte, die übriggebliebenen Brote des Hospitals, damit den drei Jungen der Magen am Abend nicht allzu laut knurrte. Denn dann ging es ja bald wieder los.

 

 

Zusammengestellt am 14.06.2020 von Dieter Dölling

 


 

 

 


 


 


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